Beelen

Ode an die Heimat.
Wie so häufig an sonnigen Tagen saß ich auch an jenem auf meiner hölzernen Bank auf der Veranda meines Landhauses in der Einöde, in der rechten Hand ein Glas feinsten Bourbonwhiskeys, meinen Penis in der anderen Hand.

Ich schob gemächlich die Vorhaut vor und zurück, immer im Takt der Musik welche die Vögel von sich gaben. Dass ich zum Höhepunkt komme, hatte ich bereits aufgegeben, schon etwa zwei Stunden zuvor, damit es trotzdem etwas kribbelte, träufelte ich dann und wann etwas Whiskey auf meinen wundgeriebenen Schwanz. Das fühlt sich zwar eher brennend als kribbelnd an, aber es war halt etwas Abwechslung zu dem ewigen Gerubbel im Vogelzwitschertakt.


Hier in der Einöde habe ich niemanden zum Streicheln und Gestreichelt werden, einen Fernseher oder Magazine mit nackten Frauen habe ich auch nicht. Ich finde es absolut irrsinnig, sich aus solchen Heften Erregung zu verschaffen, irgendwie finde ich das pervers – und wenn ich eins nicht bin, dann ist das pervers.
Ja so saß ich da wie so häufig, nippte an meinem Drink und ließ meinen Schwanz nen wunden Mann sein und dachte an nichts böses und dachte an nichts gutes und dachte an eigentlich überhaupt nichts wie so oft – als sich plötzlich etwas am Horizont regte.


Es war zu groß um ein Wolf zu sein, zu klein um Elch zu sein und zu zweit um allein zu sein.
Ich stellte mein Glas ab, faltete meine Hand zu einem Fernrohr und als ich erkannte, dass es sich um zwei Teenager handelt, die in meine Richtung rannten, stellte ich auch anstandshalber meinen Schwanz in meine Hose und reinigte die Pfuihand mit Whiskey. Hier in der Einöde ist es sehr selten, dass man mal einen anderen Menschen sieht, dementsprechend groß war meine Freude über diese.


Viel wollte ich nie sein, aber ein guter Gastgeber immer. Ich hatte mir auf meiner Veranda immer gedacht, dass ich ein guter Gastgeber bin, da ich aber kaum oder genauer nie zuvor einen Gast hatte, konnte ich es nie beweisen. Einzig einen Gast hatte ich, einen verletzten Wolf und ich habe ihn so gut gepflegt, dass er immer noch da ist. Er liegt vor dem Kamin und ich sitze auf ihm, wenn es auf der Veranda mal zu kalt ist. Aus seinen Zähnen habe ich mir eine modische Kette gemacht. Die Teenager kamen immer näher und mit jedem Meter, den sie näher rückten, bereitete ich mich etwas mehr darauf vor, der Dalai Lama der Gastfreundschaft zu sein.


Zwei drei Minuten nachdem ich sie erblickt hatte, waren sie an meinem Haus angekommen, ein Junge und ein Mädchen, etwa siebzehn Jahre alt. Sie trug einen knappen Minirock und ein enges, weißes Top, er trug eine zerissene Jeans und ein StarWars-Tshirt. Beide waren sehr blass und keuchten, er hatte eine blutende Wunde an der Stirn während ihr Blut die Arme herunter lief. „Hallo Kinder!“ begrüßte ich die beiden verängstigten Häschen „hoppelt auf meine Veranda, ich mach euch ein Süppchen! Was wollt ihr für eine?“


Sie kamen auf meine Veranda und etwas hektisch begann der Junge mit einem Wortschwall auf mich einzureden: „Wir werden verfolgt, da hinten am See, hinter uns hier, wir müssen uns verstecken, sie müssen uns helfen, oh mein Gott, die Kristine, sie muss dort irgendwo noch sein, er hat eine Maske, am See, wir wollten zelten, oh mein Gott, wir brauchen Hilfe, ein Telefon, wir brauchen ein Telefon, unbedingt, die Polizei, sie muss kommen, verfolgt, und wenn er uns hier findet, wir sind noch zu jung zum sterben, Christin, Christin hat er erwischt, wir...“


Ich konnte mich nicht genau auf seine ganzen Worte konzentrieren, es waren ja wirklich viele, und in der Einöde ist man an Unterhaltungen nicht gewöhnt, aber ich entnahm seinen Ausführungen, dass er sich wohl für Gulaschsuppe entschieden hatte. Ich ging also in die Küche nachdem ich die beiden hereingebeten hatte, machte meinen Herd an und öffnete zwei Büchsen, deren fleischigen Inhalt ich in einen Topf gab um sie bei kleiner Flamme gleichmäßig zu erhitzen. Bevor ich wieder zu den beiden in das Wohnzimmer ging, schaute ich durch die kleine Luke, die sich im Flur neben dem Wohnzimmer befindet, nach, ob die beiden noch da sind. Sie waren noch da und saßen ängstlich auf den schwarzgebeizten Holzstühlen am Tisch. Mit einem Lappen wischte ich erst die Blutflecken vom Boden und dann reinigte ich ihre offenen Wunden damit.

Aus Versehen stuppste ich dabei an ihren Busen, aber wir sagten alle nichts und ich begann das Wohnzimmer zu saugen. Meinen Staubsauger nenne ich Stoibi, wenn hier in der Einöde mal alles richtig ruhig ist, schalte ich ihn ein und er brummt mich zufrieden an. Heute klang sein Brummen etwas verstimmt, wahrscheinlich war er meiner Gäste wegen eifersüchtig, aber da musste er jetzt durch. Nach dem Saugen servierte ich den beiden kleinen ihre Suppe, sie aßen schnell und alles auf. Um auch wie ein wilder Teenager zu wirken, warf ich ihre Teller einfach aus dem Fenster und sagte: „Cool.“


Die beiden waren jetzt schon etwas entspannter als vorher und fragten in einen Ton, der ruhig genug war, dass ich ihn verstehe, ob sie mal telefonieren könnten. Leider habe ich kein Telefon, also sagte ich ihnen: „Ich habe leider kein Telefon, yo.“ Da ich aber ein guter Gastgeber sein wollte, schickte ich sie aus meinem Haus, denn nur 200 Meter entfernt ist eine Telefonzelle, direkt an der Bushaltestelle „Prenzlauer Berg“. Ich schaute ihnen noch hinterher wie sie so langsam die Straße dahin schlenderten, dann setzte ich mich auf meine Veranda, nahm meinen Drink und meinen Schwanz in die Hand und freute mich, etwas gutes getan zu haben. Das Anstuppsen an ihre Brüste hat mich so tief berührt, dass ich endlich mal wieder kommen konnte und jetzt, wo ich mal Besuch hatte, bin ich etwas unglücklicher, einfach nur in der Einöde zu Wohnen.

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